Lucia
Ronchetti

Works
Music Theatre | 2010

Lezioni di tenebra

03-06-2013
Sinn und Sinnlichkeit
Der Musikpreis würdigt das Schaffen eines Komponisten unserer Tage, die Biennale bringt neue Musik – beides tut der Mozartstadt Salzburg gut. Erst recht, wenn so hohes Niveau herrscht, wie es dieses Jahr der Fall ist.

"Eine nicht minder attraktive Art der Überschreibung boten, auf der Schiene «Szenenwechsel», die «Lezioni di tenebra» der Römerin Lucia Ronchetti, ein musiktheatralisches Projekt, das die Oper «Giasone» des Monteverdi-Schülers Francesco Cavalli zum Ausgangspunkt hat. Ronchetti hat das komplexe Handlungsgerüst auf zwei Figuren reduziert, auf einen Sopran (Katia Guedes) und einen Countertenor (Daniel Gloger), der auch Bariton singt. Und sie hat Cavallis Musik nicht nur neu gewandet, was angesichts der Freiheit der Instrumentalbesetzung in jenen Opern legitim ist, sie hat sie auch verdichtet und neu geformt – eine Art Remix. Dazu kam eine fesselnde szenische Auslegung. Die Black Box des ehemaligen Kulturkinos Republic war überspannt von Seilen, die über Umlenkrollen durch den ganzen Raum geführt wurden. An diesen Seilen ruckelten und zuckelten die Figuren der Oper als raffiniert einfach gemachte Marionetten am Publikum vorbei, der König mit seiner Krone etwa als jenes mit Kupferdraht erweiterte Haushaltgerät, das zum Weichklopfen von Fleisch verwendet wird – die Idee muss man erst haben, Mirella Weingarten und Sabine Hilscher hatten sie. Das gab eine Stunde lang spannendes Seh- wie Hörvergnügen, so wie in der richtigen Oper."
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