Lucia
Ronchetti

Texts
06-10-2014
Starke Frauengespinste
Konzert im stimmungsvoll ausgeleuchteten Schloss Werdenberg: Aufführung der Komposition «Labyrinth» von Lucia Ronchetti. (Bild: Daniel Ammann)
Seit Freitag widmet sich die Schlossmediale Werdenberg dem «Ewig Weiblichen» – unter anderem mit der Uraufführung eines «action concert piece» der Italienerin Lucia Ronchetti.
Achthundert Jahre alt ist die schwere Tür, die in den Zwinger von Schloss Werdenberg führt. An die Korkwand davor haben Besucher mit Stecknadeln Zettel gepinnt. «Was ist weiblich?» lautet die Frage, passend zum diesjährigen Schlossmediale-Thema «Das ewig Weibliche». Die Antworten sind weiblich spontan. «Die Mond. Der Sonne» hat jemand geschrieben. Eine Kinderzeichnung zeigt einen Turm, von dem Haare herabwogen. «El Rapuns» steht darüber. «Mut, Kraft, ohne es beweisen zu müssen.» Die Schrift gehört zweifellos einer Frau.
Mythos Frau
Ein Bub, etwa acht, mit Sommersprossen und Zahnlücke, sticht gerade mit sichtlicher Lust sein Blatt auf die Wand; jetzt dreht er sich um und grinst breit. «Das ewig Drächliche» ist da zu lesen, mit einem Prachtexemplar von Lindwurm. Ja, auch so sind die Frauen! Feurig heizen sie die Phantasie an. Den Beweis, wenn auch auf wesentlich komplexere Weise, treten die zur Schlossmediale geladenen Künstler seit Freitag im Gemäuer der mittelalterlichen Burg an: Mit alter und neuer Musik, Installationen und Performances, Lichtkunst und Schattenspiel erkunden sie das weite Feld, welches das Zitat aus Goethes «Faust» öffnet.
Im Fokus: Lucia Ronchetti
Etwa die 1963 in Rom geborene Lucia Ronchetti, «Komponistin im Fokus». Aufgewachsen ist sie in einer kinderreichen Familie, einer Welt ohne Bücher und Noten – dennoch hat sie zur musikalischen Avantgarde gefunden. «Wenn ich morgens aufstehe, muss ich komponieren. Es ist mein Daseinsgrund», sagt sie im Künstlergespräch, ganz sachlich und ohne Pathos.
Als Auftragswerk der Schlossmediale hat sie eine kompakte Instrumentaloper über den Ariadne-Mythos geschaffen: ein dichtes, sinnlich-theatrales Werk, in dem die Charaktere der Geschichte einzelnen Instrumenten übertragen werden: Cello, Posaune, Kontrabassflöte, Bratschen. Ein Percussionschor baut zwischen ihnen das mehrfach geschichtete Labyrinth, aus dem Theseus von Ariadne befreit wird. Gut zwanzig Minuten dauert das Stück und versetzt die stimmungsvoll ausgeleuchtete Burg zum Abschluss des Konzerts «Labyrinthe» in vibrierende Spannung.
Vorangestellt wurden Annette Schmuckis «73 Paare», ein Dialogstaccato zwischen Flöte und Klarinette und Teile aus den «Pièces de Chair» des Italieners Sylvano Bussotti. Hard stuff, wie schon der Blick in die Partitur zeigt – und eine Herausforderung besonders für die Gesangssolisten Robert Koller und Catriona Bühler. Souverän dirigierte Jonathan Stockhammer das Collegium Novum Zürich, dessen künstlerischer Leiter Jens Schubbe in einer Einführung auch dafür das Knäuel mit dem Ariadne-Faden ins Publikum geworfen hatte.
Mutter Erde, Linien aus Licht
Dieser Faden, zentrales Motiv der Ariadne-Geschichte, kehrt in vielen Arbeiten der Ausstellung «Das ewig Weibliche» im Schloss wieder: sei es in den fein gesponnenen Installationen von Beate Frommelt und Naomi Akimoto, sei es als leuchtende Linien in den Lichtobjekten der Engländerin Lucy Carter. Mutter Erde hat Massimo Scamarcio zu einer Klanginstallation inspiriert, die man barfuss begehen kann. Und Gundula Friese gibt dem Weiblichen viele Gesichter: mit Fotografien von Töchtern über mehrere Generationen.
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